Staatsgalerie Prenzlauer Berg

Der Name ist ein klarer Fall von Amtsanmaßung

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Thomas Gust

1972 in Bautzen / Sachsen geboren,
lebt und arbeitet in Berlin
1989–1993 Ausbildung zum Schrift– und Grafikmaler an der
Fachhochschule „John-Heartfield“ in Berlin-Wandlitz
1998–2004 Bühnenbild – Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

2007 Gestaltung der Ausstellung „too much future – Punk in der DDR“
im Stadtmuseum Dresden
2011 Ausstellung „Black Barock“, Staatsgalerie Prenzlauer Berg / Berlin
Gruppenausstellung „Halleluwah – Hommage a` Can“ mit identity shop
Galerie ABTART , Stuttgart + Künstlerhaus Neues Bethanien, Berlin
2012 28.09. - 21.10. „ Off the bone“ - Pinball Machine & Photographs /
Gruppenausstellung im Künstlerhaus Neues Bethanien, Berlin
2012 Ausstellung "The Gardens of Dementia",
Staatsgalerie Prenzlauer Berg / Berlin

Mitinitiator des Künstler-Korps identity shop.
www.thomasgust.de
Wenn gesagt wird, der Fotokünstler und gelernte Bühnenbildner Thomas Gust wolle in seinen Arbeiten den dokumentarischen Ansatz der Fotografie hinter-fragen, hieße das, Werk und Urheber zu verharmlosen. Gust spricht nach-drücklich von der „Aufhebung eines Realitätsversprechens“. Was ihn antreibt, ist die Unschärfe zwischen bloßer Abbildung und künstlerischer Verdichtung.

Thomas Gusts dritte Ausstellung in der Staatsgalerie Prenzlauer Berg zeigt Landschaften und Portraits: Klassische Sujets, der Malerei entnommen und auf das Medium Fotografie übertragen. So vermitteln analog hergestellte Tableaus den Einbruch des Digitalen in das Tafelbild. Stilistisch und oft auch ikonografisch empfindet der Fotograf dabei verschiedene Epochen und Bild-gattungen nach, so. z.B. die holländische Landschaftsmalerei und das barocke Portrait.

Gusts Bildlandschaften erscheinen mit der Präzision eines Wachtraums, dessen Figuren in den Bildern als Leerstellen operieren. Ihre Identitäten entziehen sie dem Betrachter. Meist treten sie von hinten oder überlagert und gefiltert „in Erscheinung“. Die Biographien der Porträtierten sind unvollendete, gebrochen durch ein Schicksal, welches immer durch äußere Machtstrukturen bestimmt wurde. Kometenlandschaften, für die sich Gust von historischen Flugschriften inspirieren ließ, verkünden das Kippen eines historischen Moments.

Einem solchen Moment ist auch der Titel der Ausstellung entlehnt. Der „Ball der Brennenden“ geht auf eine bizarre Episode aus der Regierungszeit Karl VI. von Frankreich zurück. Während eines Polterabends bei Hof „verkleideten“ sich der König und drei seiner Freunde mittels Pech, Federn und Werg als „wilde Männer“ und ketteten sich aneinander. Einer der erschrockenen Gäste geriet mit einer Fackel an das Gesicht des Königs, die Vierer-Bande geriet in Brand. Nur der Herrscher überlebte, wurde vorerst gerettet, verfiel aber dem Wahn-sinn. Am Ende der Tragödie stand ein geteiltes Königreich. Mit dem Bruch eines Schicksals ging ein Riß durchs Land.
Robert Mießner