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Ronald Lippok

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MARSYAS
(Malerei & Zeichnung)

Ausstellungsdauer: 28.03.2015 - 25.04.2015


Von Marsyas wissen wir, er war ein Halbgott, der den Ganzgott Apoll herausforderte. Dieser zog dem Anmaßenden bei lebendigem Leib die Haut ab. Ein Altersbild Tizians zeigt den antiken Mythos in detaillierter, farbiger Grausamkeit. Wenn sich der Berliner Künstler Ronald Lippok für seine vierte Ausstellung in der Staatsgalerie Prenzlauer Berg von dieser Ã?berlieferung und ihrer Darstellung inspirieren läßt, fällt die Härte, die Kühle und die Einsamkeit auf, in die er seinen Marsyas stellt. Tizian zeigte Marsyas im Moment der Tortur, mit seinem Folterer, Gehilfen, unter ihnen ein Geigenspieler, und einem nachdenklichen Känig Midas, der sich der Sage zufolge erfolglos für den Aufrührer ausgesprochen hatte. Bei Lippok ist die göttliche Strafaktion bereits vollzogen. Gleich Tizians, hängt sein Marsyas kopfüber an einem Baum. Doch um ihn ist nur die Weite des Waldes, in dem er auf seine Wiederkehr zu warten scheint. Eine Interpretation des Marsyas-Mythos sieht ihn als Illustration des Kampfes zwischen Ordnungs- und Lustprinzip.

Am Anfang von Ronald Lippoks neuer Bilderfolge stand die Situation des Künstlers als Reisender. Lippok suchte sich in den wechselnden Hotelzimmern, die er als Musiker bewohnte, zu beschäftigen und begann, seine Winterjacke zu zeichnen. Die in dieser Skizzen-Welle entstandenen drei Bilder belassen die künstliche Haut des Kleidungsstücks ohne Körper und ohne Gesicht, jedoch in verschiedenen Posen, deren eine an einen militanten Aktivisten und deren andere an einen Kosmonauten erinnert. Diese mögliche Interpretation kontert Lippok, wenn er die Bilder nach drei Erdzeitaltern benennt: Devon, Kambrium, Perm.

Lippok ist bekannt als Kenner des Alchimistischen, Mythologischen und Historischen. Seine 2012 bei Rothahndruck Berlin erschienenen Grafiken für eine Siebdruckedition der Greifswalder Barockdichterin Sybilla Schwarz illustrieren den Versuch menschlicher Behauptung einer Frau, die inmitten des Dreißigjährigen Krieges nur 17 Jahre alt werden sollte. Danach ist etwas Erstaunliches in Lippoks Malerei passiert: Sie ist dringlicher, schnittiger geworden. Der Künstler will das ausdrücklich so und erreicht es mit einer an Grisaille angelehnten Technik, die neben Schwarz, Weiß und Grau auf gelegentlich akzentuierendes Rot, Orange, Gelb und wiederum Weiß setzt. Ist Ronald Lippok nun plötzlich ein realistischer Maler geworden? Sieht man seinen Überrealismus als den Ausdruck dessen, was für ihn ja tatsächlich als Material existiert, dann war er es schon immer.

Robert Mießner